Schokolade macht glücklich - falsch und richtig!
Dienstag, 9. Dez 2008 22:14 von Wolff Horbach

Jetzt beginnt wieder die Hochsaison der Schokoladenherzen, Dominosteine und Zimtsterne. Aber auch in den übrigen Jahreszeiten greift mancher zur Schokolade, weil es ja immer heißt »Schokolade macht glücklich«. Aber das ist falsch! Und doch wieder richtig! Und das kommt so …
Vielfach heißt es, Schokolade mache glücklich, weil Schokolade Glückshormone enthalten würde. Das ist aber falsch. Neurotransmitter, die bei unseren Glücksgefühlen eine entscheidende Rolle spielen - beispielsweise Serotonin und Dopamin - produziert der Körper selbst. Und diese Stoffe sind weder in Schokolade noch in Bananen enthalten.
Selbst wenn Serotonin in Schokolade enthalten wäre, würde es nicht wirken: Eine Blut-Hirn-Schranke schützt uns äußerst wirksam davor, dass Stoffe aus dem Blutkreislauf direkt auf des Zentralnervensystem wirken können. Aber eines ist sowohl in Schokolade als auch in Bananen enthalten: Tryptophan. Dies ist ein Protein, welches eine Vorstufe von Serotonin ist. Unser Körper ist also in der Lage, aus Tryptophan Serotonin zu produzieren.
Was passiert aber, wenn wir Schokolade essen und uns dann sofort gut fühlen? Die Lösung ist überraschend: Es ist unsere Vorstellung, unsere Vorfreude, die unser Gehirn dazu veranlasst, Dopamin auszulösen. Aber dann können wir uns ebenso gut auf eine Tasse Kaffee, einen Spaziergang oder einen Kuss freuen. Alles macht glücklich! Es kommt eben auf unsere Erwartungshaltung an.
Via: Quarks & Co.


Hallo Wolff,
besser kann man es nicht sagen.
Es ist die Erwartungshaltung die uns glücklich macht.
Wer im Beruf sein Glück erwartet, wird ein glücklicher Mensch sein.
Übrigens: eines der ältesten Unternehmen hat das längst erkannt und umgesetzt. Es macht die Menschen mit Hoffnung und Sehnsucht auf die Zukunft glücklich: Die Kirche.
Mehr als 95% der Weltbevölkerung gehört einer Glaubens,- Sinn- oder Kirchengemeinschaft an.
Beste Grüsse
Norbert
Lieber Norbert,
am allerbesten ist natürlich, wenn wir Glück in allem erwarten, was wir tun.
Das Glück für die Zukunft, so wie es die Kirche verheißt, ist mir zu weit weg. Im Extremfall heißt das: sich jetzt hier kasteien, um nach dem Tod ein besseres Leben zu haben.
Leider wird das auch brutal missbraucht: Auf islamistische Selbstmordattentätern sollen die berühmten Jungfrauen warten. “Nimm diese Bombe, sprenge dich in die Lust, töte dabei möglichst viele Ungläubige und schon in wenigen Minuten bist du im Paradies, wo die tollen Frauen bereits auf dich warten.” Das ist ein Glücksversprechen, was ich auf keinen Fall akzeptieren kann.
Ich habe vor einiger Zeit die verschiedenen Zeitaspekte in Bezug auf das Glück mal in einem kleinen Essay beschrieben: Glück: Leben im ersten Quadranten.
Lieber Wolff,
leider stimmt es, dass diese reine Zukunftsorientiertheit in einigen (insb. fundamentalistischen) Kreisen verbreitet ist. Aber sie ist nicht das gesamt Bild der Kirche bzw. der Religionen. In allen Religionen, im Christentum (z.B. Meister Eckhardt) wie auch im Islam (Sufismus), gibt es mystische Strömungen, in denen die Betonung der Liebe Gottes, die das Paradies jetzt und auf Erden beginnen lässt, im Zentrum steht. Dieses Paradies ist spürbar in einer gegenwärtigen Beziehung zu Gott und in der gegenwärtigen Liebe zu allen Mitmenschen. Aber auch die Hoffnung auf eine Vollendung dieser Liebe im Jenseits ist darin enthalten. Sie enthält also sowohl gleichermaßen Gegenwärtiges, als auch Zukünftiges, ganz wie im I. Quadranten deines Artikels (s.o.).
In der Hoffnung zu einem differenzierteren Bild beigetragen zu haben verbleibe ich mit herzlichen Grüßen.
Christoph aus Heidelberg
Lieber Christoph,
danke für die Präzisierung und Differenzierung. Ich kenne das Leben im 1. Quadranten vor allem aus dem Buddhismus. Bei den Christen bin ich etwas vorsichtiger. Ich habe gestern noch mit einem Freund geschätzt, dass etwa 80% der Christen davon ausgehen, dass sie “Leid auf Erden” auf sich nehmen müss(t)en, damit sie es einmal im Himmel besser haben. Der Sufismus scheint mir im Islam nur eine verschwindend kleine Minderheit zu sein.
Auch nach dieser differzierteren Betrachtungsweise bleibt m.E. übrig, dass die überwiegende Mehrheit der Gläubigen das Glück erst in der Zukunft erwarten.