Genug
Sonntag, 21. Dez 2008 10:29 von Wolff Horbach
Wir leben in einer Zeit des Überflusses und schreien doch nach immer mehr, mehr, mehr. Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Sicherheit, mehr Auswahl, mehr Vergnügen.
Gegen diese Maßlosigkeit hat der britische Journalist John Naish ein kluges Buch geschrieben. Gleichzeitig zeigt er uns, wie wir der Welt des Überflusses entkommen können und dabei eine Menge gewinnen.
Mit dem Buch “GENUG. Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen” zeigt uns John Naish einen Weg, wie wir alle mit weniger ein erfüllteres, gesünderes, umweltbewussteres und glücklicheres Leben führen können.
Der Weg zur Veränderung beginnt bekanntermaßen mit einer Bestandsaufnahme und neuen Einsichten. Naish tut das in mehreren Kapiteln:
Genug Informationen. Wir glauben, wir müssten immer mehr wissen. Die Jagd in immer neuen Informationen kostet unglaublich viel Zeit und Geld. Dabei sind die meisten heute verbreiteten Informationen für unser persönliches Leben völlig wertlos. Im Gegenteil: Katastrophenmeldungen vom anderen Ende der Welt beeinträchtigen unsere Lebensqualität negativ.
Genug Essen. Wir in der westlichen Welt haben mehr als genug zu essen. Das Problem bei uns sind nicht Hunger oder Mangelernährung, sondern Übergewicht und eine zunehmende Verfettung der Gesellschaft. Wenn man einen Blick in die Zeitschriften wirft, gewinnt man den Eindruck, dass eines der größten Probleme unserer Zeit ist, überflüssige Pfunde loszuwerden. Zurzeit quellen die Zeitschriften über mit üppigen Weihnachtsrezepten (am besten 12 Gänge) und Anfang Januar rollt dann wieder die Diätwelle los (”Weg mit dem Weihnachtsspeck”).
Genug Sachen. Die Jagd nach immer neuen Schnäppchen entspringt noch unserem Stammhirn aus der Zeit der Sammler und Jäger. Heute gibt es kaum einen Haushalt, wo nicht die Schränke und Schubladen mit einer Unmenge von Sachen verstopft sind. Ach, was erzähle ich. Machen Sie doch mal einen kurzen Gang durch Ihre Wohnung, werfen einen Blick in den Keller und die Garage. Dann wissen Sie, wovon Naish schreibt.
Genug Arbeit. Wie bitte? Bei voraussichtlich steigenden Arbeitslosenzahlen? Ja, Naish zeigt, dass wir mit erheblich weniger Arbeit (und damit Einkommen) auskommen könnten, wenn wir auf einiges verzichten (siehe zuviel Sachen). Die meiste Arbeit wird aufgewendet für Sachen, die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Genug Auswahl. Wer heute eine neue Digitalkamera, ein neues Handy, einen Versicherungsvertrag, ein Jeans oder was immer kaufen will, hat ein Problem: Es gibt nicht zu wenig Auswahl, sondern zu viel. Wir werden fast erschlagen von den Alternativen und Varianten. So ist der Erwerb keine Freunde, sondern fast eine Qual. Und nach dem Kauf haben wir ständig das Gefühl, uns falsch entschieden zu haben.
Genug Glück. Bei diesem Kapitel war ich besonders kritisch. Bin ich doch der Überzeugung, dass unsere Gesellschaft zu wenig glücklich ist und mehr Glück braucht. Aber der Autor meint hier die Jagd nach dem vermeintlichen Glück von außen. Und er prangert auch die Reparaturmechanismen mit Psychopharmaka und Stimmungsaufhellern an. Darin kann ich dem Autor nur zustimmen: Wir haben genug “falsches Glück” und sollten dieses zugunsten des wahren Glücks reduzieren.
Genug Wachstum. Die Wachstumsdiskussion hat uns ja in diesen Tagen der Weltfinanzkrise voll erfasst. Die Ökonomen landauf, landab wiederholen wie ein Mantra ein höheres Wachstum als Erlösungsformel runter. Naish zeigt, dass wir bei einer nachhaltigen Wirtschaftsweise nicht immer mehr Wachstum brauchen.
Nie genug. Die Überschrift des letzten Kapitels scheint ein Widerspruch zu den vorherigen zu sein. Aber der Autor zeigt hier, dass es tatsächlich etwas gibt, von dem wir nie genug haben können, nämlich der Übung, dankbar zu sein.
Jedes Kapitel schließt mit einer oder mehreren Übungen ab, die man persönlich durchführen sollte. Diese Übungen sind sehr aufschlussreich.
Auf denjenigen, der den Genug-Weg einschlägt, warten viele Mehr-Werte: mehr Zeit, mehr Autonomie, mehr Ruhe, mehr Glück.
Meine Empfehlung: unbedingt lesen!


Sehr geehrter Herr Horbach,
wieder einmal las ich in Ihrem tollen Buch, und zwar auf S. 85 bis S.88: Schlechte Nachrichten-nein Danke + Fernsehfrei leben.
Sehr interessant und ganz meine Meinung. Ich habe ein Hobby. Ich schreibe ab und zu Fernsehkritiken an die Sender und an Zeitungen bezüglich Sendungen, die mir gefallen/nicht gefallen.
Bestimmte Sendungen meide ich: Reißerische Nachrichten in den Privatsendern, die Schwemme von Krimis und Actionsendungen aller Art. Ebenfalls alle Arten von Doku-Soaps in den Privatsendern, usw.
Sehr gerne sehe ich “Wer wird Millionär?” und “Wetten, dass …?”.Da schreibe ich dann positive Kritiken. Ebenfalls liebe ich gute Dokumentationen im WDR oder anderen Sendern. Ich rate allen Fernsehzuschauern: Schreiben Sie doch auch mal Kritiken. Das macht auch Spaß. Und mir ganz besonders, wenn ich meine Kritik in einer Fernsehzeitschrift mit meinem Namen wiederfinde.
Die habe ich all die Jahre über gesammelt, ca. 15 Jahre, und die Kopien und Zeitungsausschnitte in einem großen Ordner gesammelt, der schon fast voll ist. Ab und zu lese ich darin und bin sehr glücklich dabei.
Mit freundlichen Grüßen, Ihre Bettina Grützner