Bhutan: Bruttonationalglück hat Priorität
Dienstag, 18. Nov 2008 21:05 von Wolff Horbach
Im Buch gibt es auf Seite 11 einen Kasten »Bruttosozialglück statt Bruttosozialprodukt«. Es geht darum, wie das Königreich Bhutan neue Wege geht. Gerade hat der neue König die Regentschaft übernommen.
Vielen Dank an Sabine Mühlisch, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass am Sonntag, 16.11.2008, der Weltspiegel in der ARD berichtete:
[...]
Der Monarch will für sein Land das Beste. Für Bhutan heißt dass, das Bruttonationalglück ist wichtiger als das Bruttoinlandsprodukt: kein Ausschlachten von Ressourcen, kein Streben nach Wohlstand. Stattdessen soll Staat und Krone den Bürgern die Möglichkeit geben ein erfülltes Dasein auf Grundlage der buddhistischen Werte zu leben. Dann betritt seine Majestät das Podium über der Manege und augenblicklich verstummt der Lärm im Stadion. Und dann klingt sie an, die eindrucksvolle Rede von Jigme Khesar Namgyel Wangschuk, dem König von Bhutan. „In einer sich verändernden Welt stehen wir vor großen Herausforderungen. Denn die Globalisierung kennt weder Frieden, Sicherheit noch Glück. Aber eben dies sind die Pfeiler unserer Philosophie der nationalen Glückseligkeit. Daher werden wir den Wandel nur so weit führen, dass der Frieden unserer Nation, deren Glück und die Sicherheit gewährleistet bleibt.“
[...]
Das interessante Video ist auch noch zu sehen: Glückseligkeit in Bhutan.
Update: Weiter Informationen gibt es beim Centre for Bhutan Studies.


Lieber Wolfgang,
es war in der Tat ein glückseliger Augenblick, als ich die Meldung im Weltspiegel - so nebenbei - hörte: ich kannte die Seite 11 deines Buches und nun wurde der Inhalt für Millionen von Zuschauern erwähnt! Gänsehaut und ein seliges Lächeln war meine Körperreaktion … so geht eine Idee um die Welt und in die Herzen der Menschen!
So tragen alle verschiedenen Medien - du Wolfgang, mit deinem Buch, die ARD und viele ungenannte - dazu bei, das Glück auf dieser Erde für alle Menschen zu manifestieren! Wir sind die Schöpfer.
Herzlichst,
Sabine
Das kleine Problem an dem bhutanesischen Weg zum Glück verbirgt sich in dem Nebensatz “auf der Basis buddhistischer Werte”. In der Praxis heißt das, dass Menschen anderen Glaubens massive Einschränkungen hinnehmen müssen. Bhutan ist leider für Menschenrechtsverletzungen gegenüber Nicht-Buddhisten bekannt. Der “Report Religionsfreiheit weltweit” zählt Buthan zu den Ländern, die Religionsfreiheit am stärksten Einschränken. Nicht-Buddhisten haben dort wenig Grund zum Glücklich-Sein.
Auch gegenüber Südbuthanern kam es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.
“Im Zuge der Ausweisungs- und Assimilierungspolitik gegenüber den nepalesischstämmigen Südbhutanern sind offensichtlich Menschenrechtsverletzungen in nicht unerheblichem Maße vorgekommen. Dies gibt die Regierung auch grundsätzlich zu. Sie bedauert die Fälle von Folter, Tod in Polizeigewahrsam, Vergewaltigungen und Enteignungen durch Regierungsvertreter/ Polizei/ Milizen, auch die Fälle, bei denen Südbhutaner gezwungen wurden, Bhutan zu verlassen und ihr Land und sonstigen Besitz zu verkaufen.” (Auswärtiges Amt).
Damit will ich die Errungenschaften des neuen Königs und den guten Fokus auf das Glück seiner Nation nicht schmälern, sondern eher darauf hinweisen, dass Glück immer auch mit Freiheit verbunden ist…Freiheit des Glaubens und der ethnischen Idendität.
@ Kerstin Hack:
Danke für den Hinweis. Mich wundert das sehr, gehört doch Toleranz zu den “buddhistischen Werten”. Mir ist kein Fall bekannt, wo Buddhisten Menschen anderen Glaubens behindern. Nach meinem Kenntnisstand ist im Namen des Buddhismus - im Gegensatz zu den anderen Religionen - noch nie ein Krieg geführt worden. Und normalerweise sind Buddhisten für ihre Friedfertigkeit bekannt.
Aber ich kenne ich mich nicht aus mit der Situation in Bhutan nicht aus.
Dass Glück immer mit Freiheit verbunden ist, teile ich voll und ganz.