Meditation für Neugierige und Ungeduldige
Sonntag, 5. Okt 2008 13:28 von Wolff Horbach
Der Titel des Buches ist ein wenig verrückt: “Meditation für Neugierige und Ungeduldige“. Wie bitte? Geht es nicht gerade darum, durch Meditation ruhig und gelassen zu werden? Wie passt das zu Ungeduld?

Die Autoren des Buches, die Kommunikationswissenschaftlerin Sybille Engels und der Achtsamkeitstrainer Jan Eßwein, klären auf: Neugierig haben sie selbst zur Medidation gefunden und sie möchten die Meditation auch oder gerade für Menschen erschließen, die (im Anfang) noch ungeduldig sind.
Sybille Engels beschreibt im Vorwort, wie durch Bekannte auf die Meditation aufmerksam wurde, sich dann durch einen Berg von Literatur gekämpft hat und danach erst einmal verwirrt war. Verwirrt über die unglaubliche Bandbreite von Aussagen über Meditation:
Jetzt im Rückblick und aus der persönlichen Erfahrung heraus, denke ich, dass es wohl kaum ein Gebiet gibt, über das so viel Unsinn grassiert wie über Meditation. Zunächst ist rein gar nichts Geheimnisvolles und Verstiegenes daran. Dieser Zustand, der als “Achtsamkeit” bezeichnet wird und in dem man die eigene Existenz einmal aus einer ganz anderen Perspektive wahrnehmen und erleben darf - vollkommen zufrieden, friedlich, vorbehaltlos, erwartungslos, einig und einverstanden mit dem Moment, wie er ist - fällt nicht vom Himmel, sondern will geübt sein.
Aus der Neugierde ist dann die Praxis für Sybille Engels und ihr Team geworden. Durch die Hinzunahme des Achtsamkeitstrainers Jan Eßwein wurde ein Schuh daraus. Am Ende des Vorworts steht dann:
Betrachten Sie uns als Ihre Vorkoster: Wir haben Vorurteile und Berührungsängste für Sie ausgelebt und widerlegt, die Basics gelernt und Zugänge für Sie ausprobiert und einen Weg gefunden. Diesen Weg möchten wir vorstellen, denn wir glauben, dass er jedem Menschen zutiefst förderlich ist.
Damit ist der Titel und die Positionierung des Buchs klar: Meditation für Neugierige und Ungeduldige richtet sind an alle, die noch keine Erfahrung mit Meditation haben und sie ausprobieren möchten. Und dafür weder Buddhist werden noch erst ein halbes Jahr in ein Zen-Kloster gehen möchten.
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen der Meditation. Es geht um das “Affengeschnatter”, welches wir Denken nennen. Es geht um die Macht der Gefühle und die Vorstellungen von Glück. Wer noch keine Meditationserfahrung hat, bekommt hier schon große Lust, Meditation unbedingt einmal auszuprobieren.
Das zweite Kapitel klärt über notwendige und hilfreiche Vorbereitungen zur Meditation auf: wie sorge ich für Ruhe? Wie soll der Raum beschaffen sein? Was ziehe ich am besten an? Welche Utensilien brauche ich? Welche Zeiten sind günstig? Wie lange soll ich meditieren? Die zweckmäßige Körperhaltung wird anhand von vielen Bildern ausführlich und anschaulich geschildert.
Im dritten Kapitel geht es um die Konzentration und Einstimmung in die Medidation. Zahlreiche Körper-Übungen helfen bei der Einstimmung. Dabei helfen wieder viele Bilder, zum Teil großformatig.
Kapitel vier dringt zum Kern der Meditation vor. Im Mittelpunkt steht die MBSR-Medidation. MBSR steht für Mindfulness Based Stress Reduction (deutsch: auf Achtsamkeit basierende Stressvermindung), die der amerikanische Prof. Jon Kabat-Zinn über 25 Jahre lang entwickelt hat. Aber auch andere Meditationsarten werden vorgestellt und erklärt.
Im fünften Kapitel gibt es viele Hinweise, wie es gelingt, Achtsamkeit und Meditation in den Alltag zu integrieren. Zahlreiche Tipps und Hilfen gibt es für den Fall, dass Hindernisse auftauchen.
Das letzte Kapitel berichtet von Schülern und Lehrern. Es gibt Tipps, wie man den richtigen Lehrer findet. Einige Reportagen und Interviews machen das deutlich.
Das Buch wird abgerundet durch ein ausführliches Register, eine Liste der vielen Übungen, umfangreiche Hinweise auf weiterführende Literatur und CDs mit geführter Meditation sowie zahlreichen Verweisen auf weiterführende Adressen.
Das großformatige Buch ist hervorragend gemacht. Die sehr gut gestalteten Seiten laden sofort zu mehr Ruhe ein. Daher ist das Buch weniger für die Straßenbahn geeignet, aber um so mehr für zu Hause, wenn man sich selbst etwas Gutes tun will. Die vielen Übungen sind so detailliert beschrieben, dass man sie sofort nachvollziehen kann. Auch mit langjähriger Meditationserfahrung hat mir das Buch bereits große Freude bereitet. Ich werde es sicherlich noch oft zur Hand nehmen.
Das an sich schon sehr wertvolle Buch wird ergänzt durch ein gut gestaltetes Blog: www.meditation-fuer-neugierige.de. Hier findet man weitere Tipps, Links etc.


Die Blog-URL lautet: http://meditation-fuer-neugierige.de/.
Da fehlt ein t bei euch…
@ Anfängerin: Danke für Tipp. Schon repariert!
Ich habe über die Meditation der Buddhisten einmal mit einem Mönch, einem sehr spirituellen Menschen (übrigens nicht weit von Dir in der Eifel) gesprochen. Für ihn ist das intensive Gebet Teil seiner Meditation, egal ob am Altar oder auf seiner Kammer. Hilfreich für ihn in der Meditation sind auch die gregorianischen Choräle.
[...] die Rezension des Buches »Meditation für Neugierige und Ungeduldige« habe ich noch eine Menge mehr über Jon Kabat-Zinn erfahren. Außerdem fand ich den Hinweis auf [...]