Kein Glück für die Jugend?
Freitag, 12. Sep 2008 14:39 von Wolff Horbach
Heute fielen mir gleich zwei Interviews auf, in den die Interviewten Bemerkenswertes über das Glück in Bezug zu Kindheit und Jugend äußerten. Der österreichische Allround-Künstler André Heller beklagt das fehlende Glücksempfinden seiner Kindheit. Und Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, fordert einen Unterricht, der Menschen “weniger berechenbar, dafür glücklicher macht”.
Das österreichischen Magazin “Die Presse” interviewt André Heller zu seiner Erzählung “Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein”. Heller berichtet über das Glücksempfinden in seinen Kindertagen:
In meiner Empfindung war damals das meiste grob und abweisend. Kinder hatten keine Rechte. Alles war von Sünde überschattet. Die Devise lautete: parieren! Man sollte möglichst angepasst und farblos werden. Glücklich sein war keine Kategorie. Ich kannte das Wort nur vom absurden Begriff Glücksannahmestelle der Lotterie. Ein Kind war ein elender, kleiner, herumgeschubster Ball. Neugier, Sexualität und Leidenschaft galten als Teufelswerk.
Fünfzig Jahre später scheinen wir auch noch nicht viel weiter zu sein. Frank-Jürgen Weise wird von Spiegel-online zu dem Dilemma befragt, dass in manchen Branchen Azubis fehlen und sich gleichzeitig die Firmen über zu schlechte Bewerber beklagen: “Viele junge Leute sind ziemlich orientierungslos“. Weise erwartet von den Schulen eine bessere Berufsvorbereitung - aber auch eine andere Orientierung:
Ich persönlich würde mir in den Schulen mehr musische Themen wünschen, die Menschen weniger berechenbar, dafür aber reicher und glücklicher machen. Ich würde mir mehr Sport und Sprachen wünschen.
Könnte es sein, dass wir immer noch nicht begriffen haben, wie wichtig es ist, dass wir lernen, glücklich zu sein?

